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Nach 16 Jahren als Leiterin der katholischen Marienschule verabschiedet sich Marie Luise Trocholepczy in den wohlverdienten Ruhestand.

 

Offenbach Post vom 25. Januar 2020 - Ihr fällt unter anderem das Verdienst zu, die kooperative Bildungseinrichtung für Mädchen auch für andere Glaubensgemeinschaften geöffnet zu haben.

Offenbach – „Ich habe vorher immer nur an koedukativen Schulen unterrichtet und hatte keinerlei Erfahrungen mit einer reinen Mädchenschule“, erinnert sich die scheidende Rektorin Marie Luise Trocholepczy. In einer so diversen Stadt wie Offenbach, wo die Zahlen an Katholiken sowieso schon rückläufig seien, an eine katholische Mädchenschule zu gehen, bezeichnet sie rückblickend als eine „herausfordernde Aufgabe.“

Aufgewachsen im beschaulichen Bruchsal in Baden-Württemberg, hat es die quirlige Pädagogin Trocholepczy zunächst für ihr Lehramtsstudium der Germanistik und der katholischen Theologie in die südlichste Großstadt der Bundesrepublik, nach Freiburg, verschlagen. Nach einiger Zeit im dortigen Schuldienst zog sie schließlich gemeinsam mit ihrem Mann, einem Professor für Religionspädagogik und Mediendidaktik, für ein paar Jahre nach Aachen, dann wieder zurück nach Freiburg - bis die beiden im Jahr 2003 schließlich im Rhein-Main-Gebiet landeten.

 

Marie Luise Trocholepczy: „Ich wollte die Schule fit für die Zukunft machen“

Bereits bei ihrem Antritt als Schulleiterin im selben Jahr standen für sie zwei Aspekte im Vordergrund ihrer Arbeit. Zum einen habe ihr die Idee gefallen, „Frauen und Mädchen in ihrer Entwicklung zu stärken und ihnen in einem etwas geschützteren Rahmen Bildung zu vermitteln und sie zur gesellschaftlichen Teilhabe zu ermutigen.“ Darüber hinaus reizte sie ebenfalls die Frage danach, wie sich das Konzept der Marienschule weiterentwickeln ließe.

„Ich wollte die Schule fit für die Zukunft machen“, erinnert sie sich. Dabei hat sie stets die Position vertreten, dass man sich nicht einfach hinter seine Schulmauern zurückziehen, „und so tun könne, als befände man sich fernab dieser Welt und hätte nichts mit dieser spannenden Stadt um sich herum zu tun. Schließlich können auch katholische Schulen keine Inseln der Seligkeit sein“, erläutert sie ihre Sichtweise.

Konkreter wurde die Frage der Zukunftsperspektive, als muslimische Eltern sie 2012 schließlich fragten, warum ihre Töchter nicht auch auf die Marienschule gehen könnten. Infolge dessen ist sie beim Schulträger, der Diözese in Mainz, vorstellig geworden, und hat „einen langwierigen Prozess, mit vielen Diskussionen, Workshops und Auseinandersetzungen um die zukünftige Ausrichtung angestoßen“, erinnert sie sich.

Bei der Diskussion über die Öffnung der kooperativen Gesamtschule für Mädchen anderer Glaubensgemeinschaften sei ihr damals auch viel Widerstand begegnet, berichtet Trocholepczy. Dabei spielten insbesondere generelle Vorurteile, die sich oftmals aus unzureichendem Wissen über die anderen Religionen speisten, eine gewichtige Rolle. „Allerdings größtenteils bei manchen Kollegen und Eltern, weniger bei den Schülerinnen, die ja mit einer solchen Vielfalt bereits aufgewachsen sind“, fasst sie die damaligen Auseinandersetzungen zusammen.

Respekt, Toleranz und Wissen - Wichtige Schlagworte für Trocholepczy

Respekt, Toleranz und Wissen lauteten von da an drei wichtige Schlagworte, die für Trocholepczy zur Grundlage der weiteren Arbeit an der Schule werden sollten. Denn durch die 2015 beschlossene Öffnung auch für Schülerinnen muslimischen und jüdischen Glaubens, wurde der Dialog zwischen den Religionen plötzlich auch im gelebten Schulalltag greifbar. „Leben ist dort, wo man sich stellt“, ist sich Trocholepczy sicher, und hat in ihrer Zeit als Schulleiterin genau diese Haltung an ihre Schülerinnen weitergegeben. Nämlich indem sie diese stets dazu ermunterte Auseinandersetzungen aktiv zu führen und sich auch in kontroverse Diskussionen zu begeben. „Wenn Schule nicht nur Selbstzweck sein soll, muss sie auch der Ort sein, an dem vermittelt wird, dass trotz aller Unterschiede ein Zusammenleben möglich ist, und man lernen muss, das Andere auch auszuhalten“, unterstreicht sie ihre Auffassung. Sie betont jedoch ebenfalls, dass es sich bei der Marienschule in erster Linie noch immer um eine katholische Einrichtung handele. Von den aktuell 853 Schülerinnen seien etwa 40 muslimischen Glaubens. Mädchen jüdischen Glaubens hätten sich bislang noch nicht angemeldet.

Für die Zukunft der Schule wünscht sich Trocholepczy, „dass sie sich auch weiterhin allen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen der Zeit stellen, sich einmischen und weiterentwickeln wird.“ Und auch wenn ihr der Abschied nicht einfach fällt, so steht für sie doch fest, dass es der richtige Zeitpunkt zu gehen ist. „Es war eine sehr schöne Zeit. Aber jetzt ist es sowohl für mich wichtig etwas anderes zu machen, als auch für die Schule, dass da jemand anderes kommt“, ist sie überzeugt.

Doch was sie nun in ihrem wohlverdienten Ruhestand erwarten wird, das kann und will sie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau sagen. „Höher als das Schaffen ist das Erleben“, sagt sie, und weiß bislang nur zu berichten, dass sie sich wieder verstärkt der Literatur und der Kunst zuwenden wird. Alles weitere werde sich ergeben.

 

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