Marienschule Offenbach

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Quelle: https://www.op-online.de/offenbach/letzten-ursulinen-verlassen-offenbach-8444023.html

 

 

Abschied von den Nonnen

Die letzten Ursulinen verlassen Offenbach

30.06.17 03:35

Nonnen

Andere Zeiten: 1963 bestand das Kollegium an der Marienschule noch zum Großteil aus Nonnen. Mit den Jahren wurden es immer weniger. Heute verabschiedet die Einrichtung bei einem Gottesdienst die letzten beiden Schwestern des Ursulinenordens aus Offenbach.  

© Archiv/Neder


Offenbach - Schwester Agnes, Schwester Monika, Schwester Bonifacia, Schwester Rita, Schwester Mechthild, Schwester Magdalena – in der Marienschule gehörten sie zum Kollegium, zum Gebäude, zum Alltag. Die Frauen in schwarzem Habit waren gute Seele, waches Auge, tiefe Wurzel. Von Sarah Neder 

Heute sagt die Schule den beiden Verbliebenen „Lebt wohl!“. Für manche ist es unvorstellbar: Eine Schule mit Nonnen. Rektorin Marie Luise Trocholepczy kann sich ihre Bildungsstätte jedoch nicht ohne die Schwestern vorstellen: „Sie waren immer präsent.“ Die Nonnen beteten, unterrichteten, lebten in den Mauern. Waren die Ersten und Letzten, die durch das Gebäude gingen. Schlossen vergessene Fenster, löschten vergessene Lichter. Das ist nun vorbei. Heute werden die beiden Verbliebenen, Schwester Rita (88) und Schwester Magdalena (74), mit einem Gottesdienst verabschiedet.

Rückblick: 1946 gründen die Ursulinen, die aus dem schlesischen Ratibor vertrieben worden sind, das Kloster und die Mädchenschule in Offenbach. Mehr als 60 Nonnen leben und arbeiten damals an der Ahornstraße. Der erste leise Abschied kündigt sich einige Jahrzehnte später an: Weil die Gemeinschaft stetig kleiner wird, übergeben die Ursulinen ihre Schule 1988 an die Diözese. Sie bleibt aber weiterhin Zuhause und Arbeitsstätte.

In den darauffolgenden Jahren geht es schnell: Mitte der 90er leben nur noch 17, Ende 2016 nur noch drei Nonnen in Offenbach: Schwester Mechthild, Schwester Rita und Schwester Magdalena. „Es gab immer die Regelung, dass die Gemeinschaft erhalten wird, solange sie noch zu dritt sind“, schildert Marie Luise Trocholepczy. Mit dem Tod von Schwester Mechthild im vergangenen Jahr endet eine Ära. Die beiden Überlebenden ziehen im März in ein christliches Pflegeheim nahe dem Mainzer Dom.

Katharina Rommel war jahrzehntelang Lehrerin an der Marienschule und kümmert sich heute um die Chronik. In der Bibliothek im Keller, das Lebensprojekt der ehemaligen Schulleiterin Schwester Agnes, wälzt sie schwere Ringordner. Darin Fotos von früher: Frauen in Gewändern kehren Herbstlaub im Hof zusammen, Frauen in Gewändern stehen in Grüppchen plaudernd mit Kollegen. „Sie gehörten einfach zur Gemeinschaft; die Lehrer, die Schüler – das war ihre Familie“, sagt Rommel.

Das analoge Archiv dokumentiert den Wandel. Das eigene Schwimmbad, die eigene Turnhalle. Der Gebäudekomplex wächst und wächst, die Klostergemeinschaft schrumpft und schrumpft. Obwohl es kein abrupter Abschied ist, er schmerzt dennoch.

„Nach und nach zeigt sich, welche Aufgaben sie bis zuletzt selbstverständlich übernommen haben“, bedauert Trocholepczy. Wer gießt die Pflanzen in den Ferien? Wer bestückt die Sakristei? Wer teilt die Dienste der Pförtnerinnen ein? Diese, meist praktischen, Fragen branden nun im Rektorenzimmer an. Doch der Verlust ist auch ein symbolischer. „Die Nonnen standen allein durch ihr Äußeres für einen konsequenten Glauben, für eine bedingungslose Beziehung zu Gott“, sagt die Rektorin.

Ein anderes Credo der Ordensmitglieder ist seit jeher, Mädchen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Die Ursulinen stehen in der Tradition der Angela von Merici, die sich schon Mitte des 16. Jahrhunderts für die Bildung und Gleichberechtigung junger Frauen einsetzte.

Eine Tradition, die die Marienschule auch nach dem Abschied der Ursulinen fortführen will, sagt die Leiterin. „Den Schwestern war es immer ganz wichtig, dass hier nur Mädchen unterrichtet werden.“ Die Religion der Schülerinnen: Für sie zweitrangig. Die Nonnen haben die Öffnung für muslimische und jüdische Mädchen mitgetragen, ja unterstützt. Auch das mag für manchen unvorstellbar klingen. Für Trocholepczy tut es das nicht. Sie fügt hinzu: „Wir schreiben damit den Gründungsgedanken der Ursulinen weiter.“

 

Impressionen von der Verabschiedung am 30. Juni 2017

 

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